Physik III, WS 1992/93
Rechenübungen am 13. Januar 1993
Interferenz und Kohärenz
Eine punktförmige monochromatische Lichtquelle existiert nur als
mathematische Idealisierung. Selbst die beste Quelle strahlt in einem
endlichen, wenn auch engen Frequenzbereich. Ein mögliches Modell
der Lichtaussendung hatten wir bereits in der Aufgabe 1 der Übung
Nr.4 diskutiert, nämlich die streng periodische Aussendung von
gedämpften, zeitlich begrenzten Lichtwellen. Dieses Modell ist natürlich
sehr vereinfacht, in Wirklichkeit werden die begrenzten Wellenzüge
an statistisch verteilten Zeitpunkten ausgesandt. Auf der anderen Seite
führte die Berücksichtigung der Dämpfung bereits zu
erheblichen mathematischen Schwierigkeiten. Daher diskutieren wir im
folgenden die Vorstellung, daß sich die Strahlung aus endlich vielen
ungedämpften Wellenzügen zusammensetzt, bei denen der Zeitpunkt der
Aussendung einer statistischen Verteilung gehorcht. Ein einzelner
derartiger Wellenzug besteht aus
Wellenlängen mit der festen
Wellenlänge
, der sich mit der Gruppengeschwindigkeit
entlang der Ausbreitungsrichtung bewegt. Im folgenden sehen wir
weiterhin von Dispersionseffekten ab, sodaß
.

Die Länge eines solchen Wellenzuges nennt man die Kohärenzlänge
und die Zeit, die die Welle braucht, um an einem festen
Ort
vorbeizustreichen, nennt man die Kohärenzzeit
.
Beide Größen sind durch
miteinander
verknüpft.
Zur Beobachtung von Interferenzeffekten wird nun häufig dieser eine
Wellenzug in zwei korrelierte Wellenzüge aufgeteilt, z.B. durch
Reflexion und Brechung, wie in der folgenden Skizze angedeutet.

Der einfallende Lichtstrahl auf der linken Seite der Skizze besitzt
eine endliche Länge
und trifft auf eine Glasplatte der
Dicke
. Ein Teil der Amplitude wird an der ersten Begrenzungsfläche
reflektiert, der andere Teil wird in die Glasplatte hineingebrochen,
an der zweiten Begrenzungsfläche teilweise reflektiert und verläßt
parallel zum Lichtstrahl
wieder die Glasplatte. Über ein
Linse werden beide Lichtstrahlen wieder zusammengeführt, allerdings
jetzt mit einem Gangunterschied. Es ist klar, daß dieser
Gangunterschied sehr viel kleiner als die Kohärenzlänge sein muß,
damit überhaupt eine Interferenz beobachtet werden kann.
Nach Fourier kann man einen zeitlich und örtlich begrenzten
Wellenzug als Summe unendlich ausgedehnter, und damit monochromatischer
Wellen beschreiben. Man kann die Fourierentwicklung entweder in der
Zeit schreiben, wobei der Ort
festgehalten wird,
Hierbei erhält man eine Darstellung der Welle im Frequenzraum. Man kann
die Fourierentwicklung genauso gut im Ortsraum durchführen, wobei die
Zeit
festgehalten wird:
Hierbei erhält man eine Darstellung der Welle im Raum der Wellenzahlen
b.z.w. der Wellenlängen. Im folgenden benutzen wir die zweite Methode.
Ohne Beschränkung der Allgemeinheit können wir den Wellenzug
symmetrisch zum Koordinatenursprung wählen. Das Spektrum der
Wellenlängen darf natürlich nicht von der speziellen Wahl des Ortes
abhängen.
 |
(1) |
Mit diesem Ansatz ist
eine gerade Funktion, daher
.
Weiterhin ist
Für
ist auch
und daher verschwindet der erste Term in der
großen Klammer näherungsweise, sodaß
![\begin{displaymath}
a(k) \approx \frac{E_{0}\Delta l}{2} \left( \frac{sin[(k_{0}-k)\Delta l/2]}
{(k_{0}-k)\Delta l/2} \right)
\end{displaymath}](img32.gif) |
(2) |
Dieses ist also die Amplitude der Oberwelle mit Wellenzahl
b.z.w.
Wellenlänge
. Zur Diskussion zeigen wir im folgenden
das Aussehen der Funktion
,

und bemerken, daß die Breite im Hauptmaximum
ist.
Die Breite der Verteilung der Wellenzahlen ist also entsprechend durch
gegeben. Wegen
folgt sofort
Wir haben damit eine Beziehung gefunden
zwischen der Länge
eines Wellenzugs
und der Breite
der Verteilung der Wellenlängen,
die in diesem begrenzten Wellenzug enthalten sind. Unsere Rechnung ging
von einem sehr einfachen Modell aus, daher kann das Ergebnis durchaus
um einen Faktor 2 falsch sein. Größenordnungsmäßig ist die obige
Formel aber korrekt.
Genauer werden diese Beziehungen in der Quantenoptik hergeleitet.
Aufgabe 1:
Leiten Sie eine Beziehung für die Kohärenzlänge eines Wellenzuges
als Funktion der Frequenzbreite (Bandbreite)
her.
Aufgabe 2:
Sonnenlicht besitzt eine Bandbreite von etwa
.
Schätzen Sie hieraus die Kohärenzlänge und Kohärenzzeit von
Sonnenlicht ab.
Aufgabe 3:
Die spektrale Reinheit einer Quelle beschreibt man durch den Quotienten
, der sogenannten Frequenzstabilität.
ist hierbei der Mittelwert der Frequenzen. Dieser
kann im allgemeinen mit
gleichgesetzt werden.
Eine Quecksilber- Niederdrucklampe (
) besitzt die
Bandbreite
. Berechnen Sie Kohärenzlänge,
Kohärenzzeit und Frequenzstabilität.
Aufgabe 4:
Das von einem Filter durchgelassene rote Licht der Wellenlänge
setzt sich aus Wellenzügen zusammen,
die etwa
lang sind. Wie groß ist die Linienbreite
des Lichtes hinter dem Filter ?
Aufgabe 5:
Zeigen Sie, daß der Reziprokwert der Frequenzstabilität einer
Strahlungsquelle größenordnungsmäßig die Anzahl der Wellenlängen
eines abgestrahlten Wellenzuges angibt. Diese Größe nennt man daher
auch die Güte einer Lichtquelle.
Schlußbemerkung:
In der folgenden Tabelle sind Werte für Bandbreite, Kohärenzzeit,
Kohärenzlänge und Güte verschiedener Strahlungsquellen
zusammengefaßt.
Lösungen zu den Rechenübungen am 13.1.93
Aufgabe 1:
Aus
folgt
und daher
. Daher
Aufgabe 2:
Bei Sonnenlicht ist die Kohärenzlänge ungefähr gleich der Wellenlänge.
Aufgabe 3:
Wegen
und
folgt
Aufgabe 4:
Da
, folgt:
Aufgabe 5:
Setze
, wobei
die Anzahl der Wellenlängen
im Wellenzug mit der Kohärenzlänge
ist. Daher
Harm Fesefeldt
2007-08-24