Physik III, WS 1992/93
Rechenübungen am 2. Dezember 1992
Grundlagen der paraxialen Matrizen- Optik
In der Vorlesung werden die Formeln für Reflexion und Brechung
an geraden und gekrümmten Flächen diskutiert. Es zeigt sich dabei,
daß es ausgesprochen mühsam und unübersichtlich ist, mit Hilfe
dieser Formeln die Abbildungsgesetze für kompliziertere optische
Systeme herzuleiten und zu diskutieren. In dieser Übung wollen wir
ein mathematisches Verfahren kennenlernen, mit dessen Hilfe man in
einfacher Weise die kompliziertesten optischen Systeme studieren
kann. Dieses Verfahren eignet sich insbesondere für Anwendungen
auf Rechenanlagen und ist daher gerade in den letzten Jahrzehnten
außerordentlich gut ausgearbeitet worden. Wir beschränken uns
hier auf die paraxiale Optik, d.h. wir betrachten nur Lichtstrahlen,
die nahe zur optischen Achse verlaufen und deren Winkel mit der
optischen Achse klein sind. Wir wählen die
- Achse als optische
Achse und bezeichnen mit
den Abstand eines Punktes von der
- Achse. In der paraxialen Optik verlaufen alle Lichtstrahlen
in einer Ebene durch die optische Achse. Der Abstand
liege genau
in dieser Ebene. Wir definieren einen zweidimensionalen Vektor
,
dessen Komponenten einmal der Abstand
, und zum anderen
die Richtung
bezüglich der optischen Achse sind, d.h.
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(1) |

In der paraxialen Optik gilt die Näherung
, wobei
der Winkel des Lichtstrahls mit der optischen Achse ist.
Die geradliniege Bewegung eines Lichtstrahls
von Punkt
bis zum Punkt
läßt sich darstellen durch
die Transformation (siehe Abbildung oben):
wobei
die Länge der Strecke ist.
Eine Translation ändert natürlich nicht die Steigung, bzw den
Winkel des Lichtstrahls mit der optischen Achse, sondern nur den
Abstand
. Diese Translation kann auch mit Hilfe einer Matrizen-
Gleichung in der folgenden Form geschrieben werden:
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(2) |
Die Matrix selbst nennt man die
Translationsmatrix
oder auch
, um anzudeuten, daß eine
Transformation vom Punkt
zum Punkt
durchzuführen ist.
Als nächstes diskutieren wir die Reflexion eines Lichtstrahls an einer
sphärischen Begrenzung. Hierbei ändert sich nicht der Abstand zur
optischen Achse, sondern nur die Richtung bzw der Winkel des Strahls
mit der optischen Achse. In Matrizen- Schreibweise gilt dann:
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(3) |
Der Krümmungsradius
kann hierbei positiv oder negativ
sein, je nachdem ob die gekrümmte Fläche dem Lichtstrahl
konvex oder konkav erscheint.
(siehe nachstehende Skizze). Die Matrix
ist die Reflexionsmatrix.
Man schreibt hierfür auch
, um anzudeuten, daß eine
Reflexion an der Trennfläche von Medium 1 und Medium 2 stattgefunden
hat.


Als letzte Transformation benötigen wir noch die Brechung an
Begrenzungsflächen zwischen zwei Medien. Diese ist gegeben durch
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(4) |
Die Vorzeichenkonvention für
ist die gleiche wie bei der Reflexion.
Die hier definierte Vorzeichenkonvention ist leider nicht
eindeutig in verschiedenen literarischen Darstellungen der Matrizen- Optik.
Wir widerholen daher unsere Vorzeichenkonvention
noch einmal:
ist positiv, wenn die Krümmung von der Richtung des
Lichtstrahls
aus gesehen konvex ist,
ist negativ,
wenn die Krümmung von der
Richtung des Lichtstrahls aus gesehen konkav ist.
Im übrigen ist es empfehlenswert, die Vorzeichen von
bereits
bei der Aufstellung der Transformationen einzusetzen, sodaß in den
Rechnungen selbst
stets positiv ist.
Schließlich sollte noch erwähnt werden, daß die Transformationen
der Brechung und Reflexion auch für den Grenzfall
gelten, d.h. auch für ebene Begrenzungsflächen gültig sind.
Durch Mehrfachanwendung kann man mit Hilfe dieser drei Transformationen
beliebig komplizierte Systeme zusammensetzen.
Wir demonstrieren das
Verfahren an einigen einfachen Beispielen.
Beispiel 1: Das erste Beispiel soll noch einmal zeigen, daß das Brechungsgesetz
durch diese Transformationen richtig beschrieben wird.

Die Transformation besteht aus 3 Schritten. Zunächst führen wir
eine Translation vom Punkt
zum Punkt
, der
-
Koordinate der Begrenzungsfläche. Schließlich führt eine weitere
Translation zum Punkt
. Man beachte, daß bei der Brechung
in diesem Fall
, da
.
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(5) |
wobei
und
. Ausmultiplizieren der Matrizen führt dann auf:
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(6) |
Die Transformation lautet ausgeschrieben:
Da
und
, folgt aus der
zweiten Gleichung
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(9) |
also das uns bekannte Brechungsgesetz.
Aufgabe 1:
Zeigen Sie die Gültigkeit des Reflexionsgesetzes an einer ebenen
Begrenzungsfläche mit Hilfe der paraxialen Matrizen- Optik.
Beispiel 2:
Unser zweites Beispiel behandelt die Reflexion an einer sphärischen
Kugelfläche.

Wir setzen
und
.
Die Transformation lautet (man beachte
, da Begrenzung konkav):
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(10) |
Die Transformation lautet also ausgeschrieben:


Zur Berechnung des Brennpunkts nehmen wir Strahlen, die parallel
zur optischen Achse laufen (
) und berechnen die Strecke
, bei der diese Strahlen nach der Reflektion die optische
Achse schneiden (
). Dieses ergibt:
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(13) |
Die Abbildungsgleichung erhält man ebenso einfach (siehe Skizze
oben rechts). Falls
das Bild von
ist, so müssen
sich alle von
ausgehenden Strahlen in
schneiden,
unabhängig von der Steigung
. Daher muß der Koeffizient
von
in der ersten der beiden Transformationsformeln
verschwinden. In diesem Fall ist aber
und
:
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(14) |
Aufgabe 2:
Ein Kugelsegment aus Glas sei auf der gekrümmten Fläche versilbert.
Der Radius der Kugel ist
und das Glas habe den
Brechungsindex
. Die Dicke
des Segmentes sei
vernachlässigbar, d.h.
.

a) Berechnen Sie die Brechkraft für paraxiale Lichtstrahlen, die
durch die ebene Fläche in das Glas eintreten, an der gekrümmten
Spiegelfläche reflektiert werden und wieder aus dem Glas
austreten.
b) Ein Bild sei bei der Gegenstandsweite
senkrecht zur
optischen Achse angeordnet. Wo liegt das Bild auf der optischen Achse ?
Beispiel 3:
Als drittes Beispiel diskutieren wir die Abbildung mit einer Linse.
Die Transformationen sind in der folgenden Abbildung skizziert.

Zunächst eine Translation bis zur ersten brechenden Fläche,
nach der Brechung eine zweite Translation durch die Linse, eine
weitere Brechung an der zweiten Begrenzungsfläche der Linse, sowie
schließlich eine Transformation zum Punkt
. Das Linsenmaterial
habe den Brechungsindex
, die Umgebung sei Luft mit dem
Brechungsindex
. Die Abstände seien
,
sowie die Dicke der Linse
.
Die Krümmungsradien seien
und
.
Man beachte aber, daß bei der linken konvexen
Fläche
positiv, bei der rechten konkaven Fläche
negativ ist.
Dann erhalten wir die Transformation
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(15) |
Wir wiederholen nochmal, daß wir die Vorzeichen von
und
bei der Aufstellung der Transformation bereits angbracht haben,
in der weiteren Rechnung sind
und
also beide positiv.
Die mittleren drei Matrizen beschreiben das Verhalten der Linse, die beiden
äußeren Matrizen bilden die Translationen zur vorderen Linsenbegrenzung
bzw von der hinteren Linsenbegrenzung zum Endpunkt
.
Wir schreiben die Gesamtmatrix daher in der Form
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(16) |
wobei
also die Linsenmatrix ist. Mit der Abkürzung
und
ist die Linsenmatrix:
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(17) |
Hierfür ergibt sich nach kurzer Rechnung:
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(18) |
Wir setzen im folgenden die Elemente der Linsenmatrix gleich
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(19) |
also ausgeschrieben:
Wir müssen noch die Transformationen von den Begrenzungsflächen
zu den Punkten
und
durchführen, d.h.
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(24) |
Die Lösung ist einfach und ergibt
Im folgenden wollen wir noch zwei wichtige Folgerungen herausarbeiten.
Falls die Strahlen parallel zur optischen Achse in die Linse
eintreten, so werden sie nach Definition in den Brennpunkt
abgebildet.

Für parallel einfallende Strahlen gilt aber
. Außerdem
muß
sein, sofern wir
setzen, d.h.
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(27) |
Für die Brechkraft gilt entsprechend (
):
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(28) |
Setzen wir die Ausdrücke der Matrizelemente ein, so folgt für die
allgemeine Linse:
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(29) |
Auch die Abbildungsgleichung kann sehr einfach hergeleitet werden.
Wir setzen
,
und erhalten
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(30) |
Alle von
ausgehenden Strahlen müssen sich in
schneiden,
und zwar unabhängig von der Steigung
. Daher muß der
Koeffizient von
verschwinden:
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(31) |
Approximation für dünne Linsen.
Wir wollen zum Schluß die Brechkraft und die Abbildungsgleichung
für den Spezialfall der dünnen Linse noch einmal
hinschreiben. Bei der dünnen Linse wird die Approximation
gemacht. Dann wird die Linsenmatrix extrem einfach,
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(32) |
Die Brechkraft errechnet sich zu
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(33) |
Für die Abbildungsgleichung erhalten wir:
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(34) |
Mit der Umformung
folgt sofort:
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(35) |
Lösungen zu den Rechenübungen am 2. Dezember 1992.
Aufgabe 1:
Transformationsgleichung:
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(36) |
Lösung:
Aufgabe 2:
Die allgemeine Transformation besteht aus 7 Matrizen, von denen wir
die Translation durch das Linsenmaterial aber sofort vernachlässigen
können, da in diesen Schritten (
) die Translationsmatrizen zu
Einheitsmatrizen werden. Es bleibt
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(39) |
mit
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(40) |
Die Transformationen lauten also:
a) Achsenparallele Strahlen (
) schneiden (
)
die optische Achse bei
. Daher folgt aus der ersten Gleichung:
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(43) |
b) Wenn
das Bild von
sein soll, so müssen alle
von
ausgehenden Strahlen sich in
schneiden,
unabhängig von
. Daher muß der Koeffizient von
in der ersten Transformationsgleichung verschwinden. Für
und
gilt also:
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(44) |
Zahlenwerte:
Harm Fesefeldt
2007-08-22