Höhere Momente
Klassifizierung
Wir hatten im vorigen Unterkapitel vier spezielle erzeugende Funktionen
diskutiert, nämlich (im folgenden beschränken wir uns auf den eindimensionalen
Fall),
Hierbei haben wir die Abkürzung
eingeführt, die wir in diesem
Unterkapitel beibehalten werden. Wir definierten die Momente mit Hilfe der
Ableitungen der erzeugenden Funktionen an der Stelle
:
Man kann also, und hier liegt das Besondere dieser Darstellung für die
Simulation, eine Dichtefunktion
durch den vollständigen Satz von
Momenten irgendeiner der erzeugenden Funktionen beschreiben. Wenn z.B.
alle Momente
, gegeben sind, ist die
Dichtefunktion
eindeutig bestimmt. Im folgenden werden wir noch
einige Formeln herleiten zur Umrechnung eines Satzes von Momenten in
irgendeinen der anderen Sätze (5) bis (8) von Momenten.
Hierzu benötigen wir die folgenden zwei grundlegenden Relationen zwischen
den erzeugenden Funktionen
Normale und zentrale Momente
Wir benutzen die Gleichung (9),
Die erste und zweite Ableitungen lauten:
Für
erhalten wir
In diesen Formeln ist zu beachten, daß
und
, sowie
, daher
Mit Hilfe der höheren Ableitungen und vollständigen Induktion erhält man
die allgemeine Beziehung
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(14) |
In diesem Fall hätte man dasselbe Ergebnis auch einfacher erhalten
können durch Anwendung der Binominalformel auf die Beziehung
Die umgekehrte Relation ist genauso einfach und kann über die Ableitungen der
Relation
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(15) |
bestimmt werden. In diesem Fall ist es jedoch ebenfalls einfacher, mit Hilfe
der Binominalformel und der Relation
zu arbeiten. Das Ergebnis ist
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(16) |
Für
ergeben sich die ersten Momente zu
In diesen Formeln ist zu beachten, daß
und
, sowie
ist, daher
Normale und logarithmische Momente
Differenziert man die Definitionsgleichung (3),
so findet man
Für
ergeben sich die ersten 3 Momente zu
Durch Induktion erhält man leicht die allgemeine Beziehung
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(20) |
Im Gegensatz zu (14) und (16) ist dieses eine Rekursions- Relation, da
auf der rechten Seite der Gleichung neben den Momenten
auch
die Momente
mit
auftreten. Da
ist, kann man auch schreiben
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(21) |
Diese Formulierung gestattet es uns, die Umkehrung sofort hinzuschreiben,
nämlich
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(22) |
oder, für die ersten 3 Momente,
Logarithmische und zentrale logarithmische Momente
Zur Umrechnung der normalen logarithmischen Momente in die zentralen
logarithmischen Momente benutzen wir die Relation (10),
Die Ableitungen sind trivial und ergeben
Daraus ergeben sich die Momente
Die normalen logarithmischen und zentralen logarithmischen Momente sind
also, bis auf
bzw
identisch gleich. Wir brauchen daher
auf die normalen logarithmischen Momente nicht weiter einzugehen.
Zentrale und logarithmische Momente
Die zugrundeliegende Relation ist
Diese Beziehung ist, zumindest was die Ableitungen betrifft, vollkommen
equivalent zu
Daher können wir das Ergebnis sofort aus den Formeln (20) und (22) übernehmen,
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(23) |
und
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(24) |
Nachfolgend listen wir der Vollständigkeit halber die restlichen
Beziehungen zwischen den verschiedenen Momenten. Diese Relationen
können aus dem bisher gesagten ohne Schwierigkeiten hergeleitet werden.
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(25) |
 |
(26) |
Momente einer Summe unabhängiger Veränderlicher
Wir hatten bereits die Verteilungsfunktion einer Summe
von unabhängigen Veränderlichen
diskutiert. Für den Fall, daß die Dichtefunktionen aller Veränderlichen
gleich waren, fanden wir die Formel für die logarithmisch
erzeugende Funktion,
 |
(27) |
Im Grenzfall
ergab sich, daß
einer Normalverteilung
gehorcht, egal, welcher Verteilungsfunktion die unabhängigen
Veränderlichen
gehorchen. Außerdem hatten wir bei der
Diskussion der Faltung von Verteilungen bereits ein Verfahren angegeben,
wie man für beliebige Anzahlen
von unabhängigen Veränderlichen die
Verteilung der Summe
berechnen kann. Dieses ist jedoch (siehe (4.00))
ein relativ kompliziertes Integral. Ein eleganteres Verfahren soll in
diesem Absatz besprochen werden.
Um die Dichtefunktion
für verschiedene Anzahlen
von
unabhängigen Veränderlichen
vergleichen zu
können, führen wir zunächst eine Variablen- Transformation durch,
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(28) |
mit
. Die Dichtefunktion von
ist dann durch
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(29) |
gegeben. Die erzeugende Funktion von
ist
Wir führen wieder
als Integrationsvariable ein und erhalten
Damit erhalten wir eine Beziehung zwischen den erzeugenden Funktionen von
und
:
 |
(30) |
Diese Gleichung kann man linearisieren, indem wir zur logarithmisch
erzeugenden Funktion übergehen,
Im letzten Schritt sind wir noch von der erzeugenden Funktion von
auf
die erzeugende Funktion von
übergegangen. Die Ableitungen dieser
letzten Gleichung ergeben
Bezeichnen wir mit
und
die logarithmischen Momente von
und
, so ergibt sich
Für
verschwinden also alle logarithmischen Momente
mit
der Veränderlichen
. Das einzige
nichtverschwindende Moment ist
Die logarithmisch erzeugende Funktion ist für
und die erzeugende Funktion
woraus man sofort die Verteilungsfunktion
von
ablesen kann,
![\begin{displaymath}
r(z) = \frac{1}{\sqrt{2 \pi} \sigma_{y}} e^{-z^{2}/[2 \sigma_{y}^{2}]}.
\end{displaymath}](img123.gif) |
(31) |
Wir möchten in diesem Zusammenhang aber ausdrücklich darauf hinweisen,
daß man nur im Grenzfall
eine Normalverteilung erhält.
Für endliche Werte von
muß der Fehler, den man bei Vernachlässigung
der logarithmischen Momente mit
macht, genau abgeschätzt
werden.
Faltung unabhängiger Gleichverteilungen
Als Beispiel diskutieren wir die Summe von
Veränderlichen
aus Gleichverteilungen im Intervall
. Die Dichtefunktionen lauten
Die Erwartungswerte sind offensichtlich
.
Gesucht sind daher die Dichtefunktionen der Veränderlichen
bzw.
Die erzeugende Funktion der Veränderlichen
ist
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(32) |
Wir hatten die folgende Beziehung zwischen den logarithmisch
erzeugenden Funktionen von
und
:
 |
(33) |
Wir könnten jetzt die Ableitungen rechnen und die logarithmischen
Momente von
und
bestimmen. In diesem Fall sind die Ableitungen
jedoch ziemlich kompliziert. Wir gehen daher anders vor und bestimmen
zunächst die Momente der Veränderlichen
. Aus
und der Rekursionsrelation (22),
ergibt sich der Reihe nach für die ersten 4 Momente
Wir können also ohne großen Fehler setzen:
Daher ist
 |
(34) |
und
Simulation der Normalverteilung
Auf diesem Ergebnis aufbauend erschließt sich uns eine sehr einfache
Simulation der Normalverteilung. Die höheren Momente von
und
sind
außerordentlich klein, außer für
und
,
Generiert man also
gleichverteilte Zufallszahlen aus dem Intervall
und bildet die Summe
so ist
näherungsweise normalverteilt mit dem Erwartungswert
und der Varianz
. Wählt man also
, so erhält man eine Normalverteilung mit der Varianz
.
Harm Fesefeldt
2006-05-08